Wie Kinder zur Astronomie kommen

Vor ungefähr 30 Jahren war das schon eine andere Zeit: es gab nur drei Fernsehprogramme (Erstes, Zweites und Drittes); niemand hatte ein Handy und normale Telefone hatten meistens eine Wählscheibe; telefonieren und fotografieren ging nur mit getrennten Geräten; Internet gab es noch nicht. Man musste Zeitung oder Briefe lesen, um sich Informationen zu beschaffen. Oder Bücher.

Damals nahm ein kleiner Junge ein Kinderlexikon in die Hand. Zum Glück konnte er lesen und er entdeckte eine Seite, auf der das Sonnensystem dargestellt wurde – natürlich nur das, was man damals davon wusste. Damals gab es noch neun Planeten in unserem Sonnensystem: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Seit fünf Jahren ist Pluto, der letzte und kleinste Planet, neu als Zwergplanet eingeordnet worden. Von denen kennt man mittlerweile einige.
Jedenfalls las der Junge in dem Kinderlexikon etwas vollkommen Ungewöhnliches über den Gasplaneten Jupiter. Er ist der größte und schwerste Planet im Sonnensystem und zieht deshalb mit seiner Schwerkraft alle möglichen Kleinkörper an. Er ist so schwer, dass seine Schwerkraft den kleinen Mond Io heftig durchknetet – so sehr, dass Ios Gestein im Innern zu Magma verarbeitet wird und Io die aktivste Vulkanregion im ganzen Sonnensystem ist. Daher ändert Io ständig „sein Gesicht“, denn die Oberfläche verändert sich – mal mit mehr und mal mit weniger „Pickeln“. Io hat es also viel schlechter als Jugendliche, denn aus der Pubertät kommt er nicht mehr heraus. Armer Io.

Jupitermond und "Pickelgesicht" Io, aufgenommen von der Raumsonde Galileo, die 2007 an ihm vorbeiflog.

Zurück zu dem Jungen: Er las damals, dass Jupiter elf Monde haben solle! Dem Jungen war der Erdmond bekannt. Die Erde hat aber nur einen einzigen Mond. Doch Jupiter soll elf haben? Wahnsinn! Heute weiß man, dass es sogar insgesamt mindestens 60 sein müssen. Ein Jupiterbewohner würde also einen vollkommen verrückten Nachthimmel sehen: viele kleine Mondscheiben und Mondsicheln am Himmel und eine winzige Sonnenscheibe – weil die Sonne ja so weit weg ist.

Der Gasplanet Saturn - Man sieht sogar ein paar Monde (Quelle: NASA)

Und dann zieht der riesige Saturn, noch ein Gasplanet und der zweitgrößte Planet im Sonnensystem, mit seinem wunderschönen Ringsystem seine Bahnen am Himmel. Der Jupiterbewohner hätte allerdings kein leichtes Leben. Nicht nur, dass es keine Luft zum Atmen gäbe; er hätte nichtmal einen Boden, auf dem er stehen könnte – denn der Jupiter ist ja ein Gasplanet, dessen Gasschichten fast nur aus Wasserstoff und Helium bestehen. Dann kommen ab und zu heftige Wirbelstürme vorbei geflogen. Diese gigantischen Sturmgebiete sieht man aus großer Entfernung als Großen Roten Fleck oder – die neuen – auch als Weiße Flecke. Es ist also schon ganz gut, dass wir auf unserer lebensfreundlichen Erde wohnen.

Vor 400 Jahren entdeckte der Erfinder der modernen Astronomie, Galileo Galilei, die vier hellsten Jupitermonde: Io, Ganymed, Europa und Callisto. Mit einem Fernglas kann man sie als winzige helle Lichtpünktchen um die Jupiterscheibe tanzen sehen. Jupiter und seine Monde haben den kleinen Jungen so sehr begeistert, dass er beschloss Astronom zu werden, also Weltraumforscher. Der Junge war übrigens ich.

3 Gedanken zu „Wie Kinder zur Astronomie kommen

  1. Wie kommen Sie eigentlich auf 3 Programme?! Ich kann mich an 5 erinnern.Und sagen Sie jetzt nicht, dass es Gegenden gab, wo man nur 3 empfangen konnte. Es gab auch Gegenden, da konnte man nur 2 Programme sehen. Also, bitte in Zukunft mal ein bisschen aus der Westnische herauskommen und die gesamte Geschichte bedenken. 🙂

    • Oh, das ist mir neu. Danke für den Hinweis. Jedenfalls gibt der Artikel meine persönliche Erfahrung wieder, und wir hatten drei Programme.

  2. Wir hatten am Anfang auch fünf Programme – und ich komm aus dem Westen. Aber weil es bis zur Grenze nicht weit war, konnten wir auch noch zwei DDR-Sender empfangen.

    Aber das ist doch eigentlich das Coole an der Astronomie: Egal ob Osten oder Westen, wir alle haben denselben Sternhimmel gesehen!

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