Und noch ein Riesenfleck

Wer glaubt, in unserem Sonnensystem sei nichts mehr los, der wird zur Zeit eines Besseren belehrt. Der Große Rote Fleck (GRF) des Jupiter hat nämlich Gesellschaft bekommen: Seit Dezember letzten Jahres tobt auch auf dem Saturn ein Riesenwirbelsturm, genannt der Große Weiße Fleck (GWF).

Mein Kollege Tilmann Althaus von „Sterne und Weltraum“ – einem Magazin für ambitionierte Sterngucker –  hat mir diesen Tipp gegeben. Bei seiner Entdeckung war er „nur“  17000 Kilometer lang und 10000 Kilometer breit (der GRF misst derzeit 24000 Kilometer in der Länge und 13000 in der Breite). Anders als sein Namensvetter streckte sich der Sturm auf dem Saturn aber im Lauf der nächsten Monate vor allem in die Länge. Inzwischen reicht sein Schweif einmal um den Planeten  herum –  die Katze beißt sich in den Schwanz.

Das Grandiose ist, dass die Raumsonde Cassini vor Ort ist und jede Menge Bilder zur Erde schickt. Spanische Forscher haben darin Blitze entdeckt – unter dem GWF tobt also ein infernalisches Gewitter. Sie glauben, dass der Fleck und sein Schweif eine Kette riesiger Gewitterzellen ist. Warum die in tieferen Atmosphäreschichten entstehen und aufsteigen und welche Rolle dabei die Jahreszeiten auf dem Saturn spielen, darüber diskutieren die Planetenforscher zur Zeit. Einig sind sich darüber, wie die weiße Farbe zustande kommt: Der GWF besteht aus Ammoniakeis. Schön anzusehen, aber nicht sehr bekömmlich.

 

Der Große Weiße Fleck des Ringplaneten Saturn

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Klaus-Dieter Linsmeier

Über Klaus-Dieter Linsmeier

Klaus-Dieter Linsmeier ist Redakteur bei "neo", "epoc" und "Spektrum der Wissenschaft". Er hat Physik studiert und dabei den Schwerpunkt auf die Anwendungen in Medizin und Technik gelegt. Weil er lieber schreiben als forschen wollte, wurde er Wissenschaftsjournalist und berichtet seitdem, was andere auf diesen Gebieten herausgefunden haben. Und weil er schon als Kind von den Rittern und Römern begeistert war, nahm er Archäologie und Geschichte gleich mit dazu.

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