Was wo gesprochen wird

Wann genau die Sprache einst entstand, ist immer noch ein großes Rätsel für die Wissenschaft – eines, das sich womöglich nie genau lösen lassen wird (mehr dazu lest ihr in dem Artikel aus Spektrum neo Nr. 7/2013 „Wer sprach das erste Wort?“).

Sicher ist hingegen, dass sich Sprachen permanent verändern. Wenn wir unsere Vorfahren vor 1000 Jahren bei einer Unterhaltung belauschen könnten, würden wir nur hie und da ein Wort verstehen. Das Ergebnis dieser ständigen Veränderung seht ihr auf dieser Karte: ein Flickenteppich von Sprachfamilien.

Eine Karte der Sprachfamilien Auf dieser Karte könnt ihr erkennen, welche Sprachfamilien an einem bestimmten Ort auf der Welt gesprochen werden. Was die einzelnen Farben bedeuten, ist in der Legende am Rand verzeichnet. © Stern / CC-by-SA 3.0

Eine Karte der Sprachfamilien
Auf dieser Karte könnt ihr erkennen, welche Sprachfamilien an einem bestimmten Ort auf der Welt gesprochen werden. Was die einzelnen Farben bedeuten, ist in der Legende am Rand verzeichnet.
© Stern / CC-by-SA 3.0

Die Veränderlichkeit von Sprache ist nämlich der Grund dafür, dass aus einer Sprache zwei werden. Ein Beispiel: Im 6. Jahrhundert nach Christus lebten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands verschiedene germanische Stämme, die einander recht ähnliche Sprachen verwendeten. Zu diesen Stämmen zählten auch die „Angelsachsen“, die damals begannen, über die Nordsee ins heutige Großbritannien zu segeln und sich dort niederzulassen.

Aus eins mach zwei!

Anfangs sprachen sie an ihrem neuen Zuhause natürlich dieselbe Sprache wie in der alten Heimat, aber von Generation zu Generation veränderten sich ihre Wörter, ihre Aussprache und die Regeln ihrer Grammatik – heutzutage kennen wir die Sprache der Auswanderer unter dem Namen „Englisch“. Gleichzeitig machten auch die Sprachen der Daheimgebliebenen ihre eigene Entwicklung durch und wurden zum heutigen Deutsch.

Aus dem germanischen „Vorfahren“ entstanden somit die beiden „Geschwister“ Englisch und Deutsch. Auf Grund ihrer gemeinsamen Abstammung zählt man sie zur „Familie“ der germanischen Sprachen. Diese Familie hat ihrerseits wieder Geschwister, etwa die „romanischen Sprachen“ (Französisch gehört dazu) und die „slawischen Sprachen“ (mit Russisch und anderen), so dass man auch hier wieder von einer Familie reden kann, genannt „indoeuropäische Sprachfamilie“. Diese Familie ist weltweit sehr verbreitet.

Irgendwann ist aber Schluss: Von der indoeuropäischen Sprachfamilie sind keine Geschwister mehr bekannt. Ihre Familiengeschichte ist im Dunkel der Geschichte verloren. Gleiches gilt für die meisten anderen Familien auf dieser Karte. Sie lassen sich nicht mehr weiter zu einem gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen.

Ob zwei Sprachen miteinander verwandt sind oder nicht, ist für Wissenschaftler nicht immer leicht zu sagen – es ist dazu ein sehr aufwändiges, systematisches Vergleichen zahlreicher Wörter nötig. Besonders bei Sprachen, die nicht gut erforscht sind, gibt es daher immer wieder Streit. Auch auf dieser Karte sind manche Einteilung umstritten, so wurden die rund 350 Sprachen der amerikanischen Ureinwohner der Einfachheit halber als „amerikanische Sprachen“ zusammengefasst. Tatsächlich gehören sie jedoch zu Dutzenden wohl nicht miteinander verwandten Familien.

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