Röntgenaugen im All

Im Heft lernt ihr Oliver Krause kennen, der sich mit Infrarotastronomie beschäftigt und am Herschel-Satelliten mit gebaut hat. Die Infrarotstrahlung, die Herschel misst, ist für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar, stattdessen spüren wir sie als Wärme. Es gibt aber auch noch andere Sorten Strahlung – abgesehen natürlich vom ganz normalen Licht – die die Astronomen benutzen, um das Weltall zu erforschen.

Eine der ersten Röntgenaufnahmen überhaupt, vom Entdecker der Röntegnstrahlung Wilhelm Conrad Röntgen selbst angefertigt.

Eine der ersten Röntgenaufnahmen überhaupt, vom Entdecker der Röntgenstrahlung Wilhelm Conrad Röntgen selbst angefertigt.

Zum Beispiel Röntgenstrahlung. Röntgenbilder ganz irdischer Art macht ein Arzt, wenn er feststellen will, ob man sich etwas gebrochen hat. Die Röntgenstrahlung durchleuchtet unsere Haut und die Muskeln, so dass die Knochen sichtbar werden.

Auch für die Erforschung von Röntgenstrahlung aus dem Weltall gibt es einen europäischen Satelliten, er heißt XMM-Newton. Genau wie Herschel hat er also einen Wissenschaftler als Namenspaten, nämlich den englischen Naturforscher Isaac Newton (1643-1727), der das erste Spiegelteleskop gebaut hat. Dazu kommt dann noch die Abkürzung XMM – sie steht für X-ray Multi Mirror, also Röntgen-Mehrfachspiegel. Dieser Teil des Namens kommt daher, dass so ein Röntgenteleskop ganz anders aufgebaut als ein normales Teleskop. Die Röntgenstrahlung würde nämlich von einen Teleskopspiegel, wie er zum Beispiel bei Herschel verbaut wurde, je nach Material entweder komplett verschluckt werden oder aber völlig ungehindert durchgehen, genau wie bei Haut und Knochen. Deshalb muss man für ein Röntgenteleskop mehrere Spiegel ineinanderschachteln, damit man ein Bild bekommt. Bei XMM-Newton sind das sogar 58 Stück.

Künstlerische Darstellung des Röntgensatelliten XMM-Newton im Erdorbit

Künstlerische Darstellung des Röntgensatelliten XMM-Newton im Erdorbit. Bild: ESA

Und was beobachten die Astronomen alles mit einem Röntgenteleskop? Röntgenstrahlung wird meistens von Himmelsobjekten ausgesendet, die sehr, sehr heiß sind. In der Korona, der äußerste Atmosphärenschicht unserer Sonne zum Beispiel, herrschen Temperaturen von mehr als einer Million Grad. Auch wenn Sterne am Ende ihres Lebens als Supernova explodieren, sieht man das im Röntgenlicht. Und bevor ein Schwarzes Loch Materie verschluckt, fängt das Gas an im Röntgenlicht zu leuchten – mehr über Schwarze Löcher könnt ihr im Heft nachlesen.

Der Supernovaüberrest Cassiopeia A, aufgenommen vom Röntgensatelliten Chandra

Der Supernovaüberrest Cassiopeia A, aufgenommen vom amerikanischen Röntgensatelliten Chandra. Bild: NASA/CXC/MIT/UMass Amherst/M.D.Stage et al.

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Carolin Liefke

Über Carolin Liefke

Carolin Liefke war 13 als sie das Hobby Astronomie für sich entdeckte. Zwei Jahre später kaufte sie ihr erstes Fernrohr, inzwischen hat sie vier davon. Sie ist Mitglied in mehreren Astronomievereinen und Moderatorin im Astrotreff, einem der größten deutschsprachigen Astronomieforen. In den KosmoLogs schreibt sie in dem Blog "Astronomers do it at Night". Nach ihrem Abitur hat sie an der Universität Hamburg Physik studiert und sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Hamburger Sternwarte mit stellarer Aktivität und Röntgenastronomie beschäftigt. Seit mehr als 10 Jahren ist sie in der astronomischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Im März 2010 hat sie diese Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seitdem am Haus der Astronomie in Heidelberg. Sie ist zuständig für die Ausbildung von zukünftigen Physiklehrern in Astronomie an der Universität Heidelberg, betreut astronomiebezogene Projekte für Schüler und die Teleskope des Instituts. Ihre verbliebene Freizeit verbringt sie mit Wander- und Klettertouren in den Alpen. Außerdem ist sie ein großer Fan von Science Fiction und Fantasy.

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