Proxima Centauri, hin und zurück?

„Rücksturz zur Erde!“

Allein für dieses Kommando hätte ich mir die Nächte um die Ohren geschlagen, damals in den 1960ern, als „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ zum ersten Mal im Fernsehen lief. Als Kind gab es für mich nichts Spannenderes als Sciencefiction. „Rücksturz zur Erde!“, das hieß im Klartext: So schnell wie möglich zurück nach Hause, egal von welchem Ort im weiten Universum auch immer.

Dafür sorgte dann ein Hyperraumantrieb. So wie ihn auch die Sternenkreuzer in der Welt von „Perry Rhodan“ hatten. Damals wusste ich noch nichts von Einstein und seiner vertrackten Relativitätstheorie, die Überlichtgeschwindigkeiten schlicht ausschließt. Ich wusste nur: Wer in den Hyperraum geht, reist dort schneller als im normalen Raum.

Meine Begeisterung für das Genre hat zwar ein wenig nachgelassen, aber ich freue mich immer noch über einen gut gemachten Film, in dem Menschen zu fremden Sternen reisen. Obwohl ich inzwischen weiß, dass schon ein Flug zum Mars eine immense Herausforderung darstellt. Und die Sache mit der Lichtgeschwindigkeitsgrenze alles andere ziemlich ausbremst. Als wir bei der Planung der ersten Spektrum neo-Ausgabe auf Warpantrieb und Wurmlöcher zu sprechen kamen, dachte ich: Das ist endlich mal die Gelegenheit, mich damit als Profi zu beschäftigen.

Es war ein Ausflug, wenn nicht an die Grenzen des Universums, so doch an die von Einfallsreichtum und Fantasie. So einfach haben sich die Autoren von Zukunftsromanen nicht aus dem Feld schlagen lassen. Gene Roddenberry, Vater der Star Trek-Serie, ersann den Warpantrieb, eine Art Mechanismus zur Verbiegung des Raumzeitkontinuums. Nichts fliegt schneller als die Lichtgeschwindigkeit durch den Raum? Kein Problem, stauchen wir eben den Raum ein bisschen zusammen, sodass die Strecke kürzer wird. Später kamen Wurmlöcher in Mode, eine Art Abkürzungstunnel durch die Raumzeit. Und der Hyperraumantrieb ist heute so aktuell wie in meiner Jugendzeit.

Aber was sagen Wissenschaftler zu solchen Ideen? Kriegen sie nur einen Lachanfall oder wiegen sie bedächtig ihr – vermutlich in Einstein-Manier wild abstehendes – weißes Haar? Nö. Es gab sogar gleich mehrere Artikel dazu in „Spektrum der Wissenschaft“! Bei meinen weiteren Recherchen erfuhr ich sogar, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA eine Forschungsabteilung für künftige Antriebssysteme mit viel Geld finanziert hatte.

Hatte. Denn inzwischen hat sich Frust breit gemacht. Gefunden hat man nur Gründe, warum Sternenreisen via Warp- oder Hyperraumantrieb oder durch ein Wurmloch nicht funktionieren können. Man braucht a) negative Energie – und die existiert erst mal nur in den Formeln der Physiker. Und obendrein würde man davon b) unglaubliche Mengen benötigen.

Schade. Aber ich lasse mir den Spaß an Sciencefiction trotzdem nicht nehmen. Vielleicht findet man ja doch eines Tages eine Lösung? Ich würde es der Menschheit gönnen, fremde Welten zu betreten und dort andere Rassen kennenzulernen. Doch wer weiß, was wir dort anstellen würden? Auf unserem eigenen Planeten haben wir uns ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wie lautet doch der Witz über das SETI-Projekt, das den Kosmos nach Signalen abhorcht: Dass die Forscher noch nichts entdeckt haben, ist ein Beweis dafür, dass es dort draußen tatsächlich intelligentes Leben gibt – wer nur halbwegs bei Verstand ist, wird sich bemühen, von uns unbemerkt zu bleiben.


Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Sterngucker, Unser Universum von Klaus-Dieter Linsmeier. Permanenter Link des Eintrags.
Klaus-Dieter Linsmeier

Über Klaus-Dieter Linsmeier

Klaus-Dieter Linsmeier ist Redakteur bei "neo", "epoc" und "Spektrum der Wissenschaft". Er hat Physik studiert und dabei den Schwerpunkt auf die Anwendungen in Medizin und Technik gelegt. Weil er lieber schreiben als forschen wollte, wurde er Wissenschaftsjournalist und berichtet seitdem, was andere auf diesen Gebieten herausgefunden haben. Und weil er schon als Kind von den Rittern und Römern begeistert war, nahm er Archäologie und Geschichte gleich mit dazu.

Ein Gedanke zu „Proxima Centauri, hin und zurück?

  1. Also die SF-Serie in den 60er Jahren hieß schlicht „Raumpatrouille“ und nicht „Raumpatrouille Orion“. Allerdings hieß das ‚Raumschiff‘ von Commander Allister McLain „Raumkreuzer Orion“.
    Nur ein Kommentar von einem damals auch Orion-Begeisterten.
    Schöner Artikel.
    Gruß
    Thomas

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