Magma plus Wasser = gigantische Explosion

Wie wird aus einem ein Kilometer tiefen Loch eine 626 Meter hoher Erhebung? Was macht Vulkane überhaupt gefährlich? Diese Fragen beantwortete den Wissensschreibern der Geograf Michael Hahl am Fuß des Katzenbuckels.

Wie war der Tag des Vulkan-Ausbruchs am Katzenbuckel?

Michael Hahl beschreibt die Entstehung des Katzenbuckels und dessen Bestandteile.  © Wissensschreiber/ Richard Zinken

Michael Hahl beschreibt die Entstehung des Katzenbuckels und dessen Bestandteile.
© Wissensschreiber/ Richard Zinken

Es geschah vor mehr als 65 Millionen Jahren. Zunächst gab es nur Erschütterungen in der Erdkruste. Kaum wahrnehmbar, aber Insekten und Säugetiere haben einen feinen Sinn dafür und machten sich wohl samt der Dinosaurier aus dem Staub. Die Beben verstärkten sich und kündigten ein gewaltiges Geschehen an. Im Untergrund vermischten sich glutheiße Magma und Wasser. Der Druck des dabei entstandenen Wasserdampfs stieg immer weiter und entlud sich in einer gigantischen Explosion: Mit der Gewalt von etlichen Atombomben wurde etwa ein Kubikkilometer Gestein aus der Erde herausgeschleudert. Ein kreisrunder Explosionstrichter, vermutlich mit über 1000 Metern Durchmesser, entstand. Gesteinsbrocken und Asche stürzten zu Boden und begruben die umgebende Landschaft unter sich.

Auch im Regen idyllisch: Der Steinbruchsee am Katzenbuckel.  © Wissensschreiber/ Richard Zinken

Auch im Regen idyllisch: Der Steinbruchsee am Katzenbuckel.
© Wissensschreiber/ Richard Zinken

Und was geschah dann?

Das Loch füllte sich nach und nach mit Asche, Gesteinsbrocken sowie Magma, das allmählich zu Stein erstarrte. Dieses magmatische Gestein war viel härter als das umliegende Ablagerungsgestein. Deshalb wurde die Füllung des Trichters langsamer abgetragen als die Umgebung, so dass über die Jahrmillionen bis zur heutigen Zeit der Katzenbuckel freigelegt wurde.

Warum sind Vulkane eigentlich gefährlich?

Im Prinzip sind sie nicht gefährlich, sondern ganz normales Geschehen auf dem Planeten Erde. Zur Gefahr werden sie nur, weil es Menschen, Tiere und Pflanzen gibt. Wir empfinden sie als bedrohlich, weil beispielsweise bei einem Ausbruch giftige Gaswolken austreten können. Es kommt auch vor, dass vulkanische Aschen Lebewesen töten, indem sie quasi ihre Lungen einzementieren. So wie beispielsweise in Pompeji, 79 Jahre nach Christus. Außerdem können Gesteinsbrocken Erdbewohner erschlagen oder heiße Glutströme schießen den Hang herunter – schneller als ein Auto fahren kann – und dann gibt es keine Rettung mehr. Ganz zu schweigen von den klimatischen Auswirkungen. Sogar beim Aussterben der Dinosaurier diskutiert die Wissenschaft, ob vielleicht der Ausbruch eines Supervulkans Auslöser war. Wenn das Sonnenlicht nicht mehr durch den Staub hindurch kommt, kann das zu einem Massensterben führen.

Die Wissensschreiber, ihr Coach Kirsten Baumbusch und Michael Hahl auf der Suche nach Informationen in einer Ausstellung im Rathaus von Waldbrunn.  © Wissensschreiber/ Richard Zinken

Die Wissensschreiber, ihr Coach Kirsten Baumbusch und Michael Hahl auf der Suche nach Informationen in einer Ausstellung im Rathaus von Waldbrunn.
© Wissensschreiber/ Richard Zinken

Wie können sich Menschen vor einem Ausbruch schützen?

Nur durch ein Frühwarnsystem, in dem sie rechtzeitig fliehen. Technisch gibt es keine Möglichkeiten, einen Ausbruch zu verhindern. Wir können den Vulkan nicht einfach zustöpseln.

Gibt es in Deutschland aktive Vulkane?

In der Eifel gibt es etliche Vulkane, von denen einige noch ausbrechen könnten, beispielsweise der Laacher-See-Vulkan.

Wie macht man Vorhersagen über Vulkan-Ausbrüche?

Temperaturveränderungen, Erdbeben und Gasaustritt geben Auskunft darüber, ob eine Gefahr besteht.

Wie kann man einen Ausbruch datieren?

Es existieren verschiedene Methoden der Altersdatierung. Beispielsweise kann man messen, wann das Gestein zum letzten Mal mit Licht in Berührung kam.

Die verschiedenen Gesteine des Katzenbuckels sind am Steinbruchsee gut zu sehen.  © Wissensschreiber (WisS)/ Elke Bärschneider

Die verschiedenen Gesteine des Katzenbuckels sind am Steinbruchsee gut zu sehen.
© Wissensschreiber/ Elke Bärschneider

Welche Gesteine kommen am Katzenbuckel-Vulkan vor?

Der heutige Gipfel besteht hauptsächlich aus Phonolith (auf Deutsch Klingstein). Der zweite magmatische Schub hat Syenit hervorgebracht. Er wurde im Steinbruch, wo heute der See ist, von 1934 bis 1974 abgebaut. Dann gab es noch kleinere magmatische Schmelzen, die beim Abkühlen zum Teil schöne Kristalle bildeten und den Berg zu einem Mekka der Mineraliensammler machten.

Wie heiß war es beim Ausbruch?

Die vulkanische Schmelze mit dieser chemischen Zusammensetzung dürfte 1000 bis 1100 Grad Celsius heiß gewesen sein.

Porträt Michael Hahl
© Wissensschreiber/ Elke Bärschneider © Wissensschreiber
Alter: 48 Jahre
Beruf: Geograph
Ausbildung: studiert Geographie, Geologie und Ethnologie in Heidelberg
Wohnort: seit 16 Jahren in der Nachbarschaft des Katzenbuckels
Was ihn am Katzenbuckel fasziniert:
– die Detektivarbeit bei seiner Erforschung
– die Entstehung der Landschaft
– „So einen gewaltigen Rums kann sich heute niemand vorstellen, wenn man gemütlich durch den Odenwald wandert“
Fakten zur Arbeit:
– kein Forscher
– eher Wissenschaftsjournalist mit geowissenschaftlicher Ausbildung
– erklärt Touristen den Katzenbuckel
– arbeitet im Geotourismus

Wie lange forschen sie schon daran?

Ich bin kein Forscher, sondern eher ein Wissensschreiber wie ihr. Ich kenne die Forschungsergebnisse zum Katzenbuckel und kann sie dort deuten. Mein Hauptanliegen ist, die wissenschaftlichen Informationen spannend zu verpacken. Ich möchte den Menschen erklären, was hier passiert ist.

Wie sind sie zu ihrem Beruf gekommen?

Ich habe mein Leben lang versucht, das zu machen, was mir Freude bereitet. Dabei habe ich Verschiedenes ausprobiert, am meisten fasziniert haben mich aber Geologie und Geographie und deren Bezug zu Landschaft und Natur.

Wo einst ein gigantischer Trichter war, erhebt sich heute das Dach des Odenwaldes: Der Katzenbuckel. © Michael Hahl

Wo einst ein gigantischer Trichter war, erhebt sich heute das Dach des Odenwaldes: Der Katzenbuckel.
© Michael Hahl

Steckbrief Katzenbuckel
Alter: über 65 Millionen Jahre (je nach Datierungsmethode leichte Abweichungen)
Größe: 626 Meter hoch, ein Kilometer Durchmesser
Typ: Maar-Vulkan (aber geowissenschaftlich nicht eindeutig belegt)
Lage: im südöstlichen Odenwald in der Gemeinde Waldbrunn, nahe der Eberbacher
Besonderheiten:
– nur ein Mal ausgebrochen (wahrscheinlich eine Wasserdampfexplosion durch den Kontakt von Grundwasser und heißem Magma)
– best erhaltener und größter Vulkanrest im Odenwald
– Glücksfall, dass es ihn noch gibt, er hätte von der Erosion abgetragen werden können
Namensentstehung:
– vom germanischen Volksstamm Chatten (unwahrscheinlich)
– oder einem Begriff aus dem Bergbau (unwahrscheinlich)
– oder möglicherweise durch die einem Katzenbuckel ähnliche Form

Dieser Artikel entstand beim Wissensschreiber-Workshop zum Thema „Unsere Erde“ im September 2014. Das Interview führten Elke Bärschneider und Janis Gschwind. Die Spektrum-neo-Redakteurin Kirsten Baumbusch gab ihnen Tipps beim Recherchieren und Schreiben.

Ein Gedanke zu „Magma plus Wasser = gigantische Explosion

  1. Danke für diesen informativen und schön verständlichen Bericht. Ihr habt das allgemein Wissenswerte gut verpackt (in Fotos und Sprache) auf den Punkt gebracht.

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