Erkundungstour im Zoo

„Warum gibt es Zoos?“ Die Wissensschreiber rätseln. Aus Heilbronn sind sie an diesem Morgen angereist und sollen jetzt solche Fragen beantworten. Daniela Vogt, die Leiterin der Zooschule im Heidelberger Tiergarten bleibt hartnäckig. Schließlich gibt es jede Menge Vorurteile, auch über die Zooschule. Da werden nämlich keineswegs Tiere fit gemacht, wie viele Leute glauben, sondern Menschen. Die lernen, egal ob Kindergartenkind, Familienvater oder Oma, dass es im Tiergarten nicht nur um Bildung und Erholung geht, sondern auch um Artenschutz und sogar Forschung.

Daniela Vogt erklärt den Wissensschreibern, wie lange verschiedene Arten von Abfall im Meer zum Verrotten brauchen. © Wissensschreiber

Daniela Vogt erklärt den Wissensschreibern, wie lange verschiedene Arten von Abfall im Meer zum Verrotten brauchen.
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Das passt prima, denn auch die elf jugendlichen Nachwuchsjournalisten sind in Sachen Wissenschaft unterwegs. Erste Station der Führung mit der Pädagogin und Biologin ist das Küstenpanorama, das den Lebensraum Wattenmeer abbildet. Die Wellenanlage ist zwar gerade wegen Reinigungsarbeiten ausgeschaltet, doch die Tiere sind natürlich trotzdem da. Und wieder hat Daniela Vogt ein Bündel Fragen im Gepäck: Wie lange dauert es, bis sich ein Pappkarton im Meerwasser abbaut? Wie lange bei der Plastikflasche? Und beim Fischernetz? Zwei Monate, 450 und 600 Jahre lauten die richtigen Antworten.

Weiter geht’s zu den asiatischen Goldkatzen. Sie sind etwas Besonderes, nicht nur wegen ihres aparten Aussehens. Ihr Zuchtbuch für ganz Europa liegt in Heidelberg. Darin ist alles notiert, was für eine Nachzucht der bedrohten Tierart von Interesse ist.

Die Alpakas drehen uns den Rücken zu. Da sie frisch geschoren sind, sehen Schwanz und Kopf nun besonders puschelig aus. © Wissensschreiber

Die Alpakas drehen uns den Rücken zu. Da sie frisch geschoren sind, sehen Schwanz und Kopf nun besonders puschelig aus.
© Wissensschreiber

Ein Stückchen weiter erwartet die Reporter ein Blick auf die puscheligen Alpakas. Sie gehören wie die Lamas zu den Kamelen. Wie war das nochmal mit den Höckern? Die Zooschulenleiterin weiß natürlich Bescheid: Dromedare haben einen, Trampeltiere zwei und alle sind Kamele. Und alle spucken übrigens. Was da zur Verteidigung eingesetzt wird ist ganz schön ekelig: Magensaft mit halbverdautem Grünzeug.

Rätsel geben auch die Zebras auf, die unweit davon auf der Afrika-Anlage zuhause sind. Die haben zwar keine Höcker, dafür aber Streifen. Warum das so ist, darüber streiten sich Wissenschaftler noch immer. Zur Verwirrung der Raubtiere, die nicht wissen, wo das eine Zebra anfängt und das andere aufhört? Um Temperaturen zu regulieren? Oder um Tsetse-Fliegen fernzuhalten, die die Schlafkrankheit übertragen, es aber bei ihren Opfern lieber einfarbig mögen? Letzteres liegt im Moment als Erklärung vorn.

Interessiert erkunden die Elefanten die riesige Box, in der einer von ihnen demnächst nach Zürich reisen wird. © Wissensschreiber

Interessiert erkunden die Elefanten die riesige Box, in der einer von ihnen demnächst nach Zürich reisen wird.
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Solche Fragen kennen die grauen Elefanten nicht. Trotzdem sind die vier Heidelberger Exemplare für Biologen spannend, leben sie doch friedlich in einer Jungbullen-WG. Dass es keine Streitereien gibt, ist sehr außergewöhnlich. Für Bulle Thai wird gerade sein Umzug in die Schweiz geplant. Um das Tier auf den Weg vorzubereiten, steht die große Transportbox im Außengehege. Und tatsächlich, die Jungs finden das Teil richtig spannend, stecken ihre Rüssel in alle möglichen Öffnungen und untersuchen alles akribisch.

Wie bei allen anderen Heidelberger Zootieren auch, trainieren die Pfleger die Elefanten nicht mit Strafen, sondern durch positive Verstärkung. So lernen die sanften Riesen (immerhin bis zu 3,5 Tonnen schwer) ihr Ohr zum Blutabnehmen hinzuhalten oder sich die Füße maniküren zu lassen. Genüsslich gönnt sich Thai gerade eine Sanddusche. Das brauchen die Elefanten, um Fliegen zu vertreiben, aber auch, um ihre sensible Haut vor der Sonne zu schützen. Dafür meiden die Heidelberger Jungs gerne das Wasser. Nur wenn es ohnehin regnet und sie nass sind, erzählt Daniela Vogt lachend, gehen sie auch in ihr riesiges Planschbecken.

Diese Figur wurde aus Elfenbein, dem Stoßzahn eines Elefanten geschnitzt. Oft bedenken Touristen nicht, wie sehr Tiere für solche Mitbringsel leiden müssen. © Wissensschreiber

Diese Figur wurde aus Elfenbein, dem Stoßzahn eines Elefanten geschnitzt. Oft bedenken Touristen nicht, wie sehr Tiere für solche Mitbringsel leiden müssen.
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Dann zeigt sie den Wissensschreibern noch einen Spazierstockknauf aus Elfenbein, der am Frankfurter Flughafen vom Zoll beschlagnahmt wurde. Der Besitz ist streng verboten und strafbar! Grundsätzlich rät Daniela Vogt davon ab, irgendwelche tierischen Produkte im Ausland zu kaufen. Meistens sind solche Mitbringsel mit großem Leid verbunden.

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Wissensschreiber-Workshops zum Thema “Tierische Intelligenz” im August 2014 an der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) in Heibronn.

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