Die rennen uns die Bude ein

Die Luft im Elefantenhaus ist fast schon unangenehm schwül und stickig. Im Sandboden sind Reifenspuren, unter der Decke hängen Tonnen, aus denen Heu hervorsteht. Die Elefanten strecken ihre Rüssel nach dem Futter aus. Die vier Tiere sind im Gehege: Thai, Voi Nam, Tarak, Gandhi – junge asiatische Elefanten, und allesamt männlich. Der Heidelberger Zoo war der erste in Deutschland, der dieses Experiment wagte – erfolgreich, wie wir noch erfahren werden.

Draußen am Freigehege erwartet uns Elefantenpflegerin Corinna Schmitt. Gemeinsam mit ihren beiden Kollegen säubert sie gerade das große Wasserbecken – der Grund, warum die Elefanten trotz des schönen Wetters gerade drinnen bleiben müssen.

Frau Schmitt im Interview mit den Wissensschreibern © Wissensschreiber

Frau Schmitt im Interview mit den Wissensschreibern
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Wie lange kümmern Sie sich jetzt schon um die Elefanten?

Seit fünf Jahren. Ich habe hier meine Ausbildung gemacht und kam danach zu den Menschenaffen. Ich wollte aber immer zu den Elefanten. Als dann eine Stelle frei wurde, wechselte ich hierher.


Hier leben nur Elefantenbullen, wieso?

Wir haben nachgestellt, wie es in der Natur eigentlich ist. Das gibt es noch nicht oft, in Deutschland jetzt zweimal. In der Natur ist es gang und gäbe, dass junge Elefantenbullen sich zu Junggesellengruppen zusammenschließen. Die Geburtenrate in den Zoos beträgt etwa 50 Prozent bei beiden Geschlechtern. Die meisten Zoos halten aber mehr Kühe als Bullen. Die Männchen, für die kein Platz ist, werden hierher geschickt. Jetzt werden diese hier erwachsen, und später sollen sie in eine Zuchtgruppe.

Wie viel Platz benötigt denn so ein Elefant? Meinen Sie, der Platz im Zoo wird den Tieren gerecht?

Es kommt darauf an, wie viel Beschäftigung man in dem Zoo bietet. Der Platz kann riesig sein – wenn sie nichts zu tun haben, dann ist der Platz egal. Das Elefantenhaus ist 500 Quadratmeter groß, das Außengelände 2000. Zum Baden haben sie einen 50.000-Liter-Pool. Natürlich können sich unsere Elefanten nicht frei aussuchen, wo sie hinlaufen, aber mittlerweile ist das in der Natur auch nicht mehr so. In Asien können sich die Elefanten nicht so frei bewegen wie man glaubt.

Braucht eine Elefantenbullen-WG mehr Platz?

Ja. Eine normale Kuhherde ist nicht so bewegungsintensiv wie die Bullen oder wie junge Tiere im allgemeinen.

Die Elefantenbullen-WG © Wissensschreiber

Die Elefantenbullen-WG
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Gibt es Auseinandersetzungen zwischen den Elefanten, Streit?

Wie bei uns Menschen gibt es auch bei denen mal einen Streit, aber nicht so, dass sie sich arg verletzt haben. Die kommen gut miteinander klar, haben aber auch mal einen Kratzer. Das ist bei Menschenkindern genau so, wenn die groß werden.

Was ist so deren Tagesablauf?

Der Tag besteht im Wesentlichen aus Essen, Spielen, Schwimmen, Schlafen – und ab und zu noch Training.

Wie trainieren Sie mit den Elefanten?

Wir arbeiten im „protected contact“. Es gibt verschiedene Haltungsformen bei den Elefanten, einmal diesen geschützten Kontakt, dann den direkten Kontakt und das „hands off“, da macht man nicht viel mehr als den Elefanten rein- und rauszulassen. Wir sind hier im protected contact, das heißt wir arbeiten mit einem so genannten Target und der Pfeife. Wir gehen nicht mehr rein, wir bleiben vor dem Gitter stehen und arbeiten so mit denen.

Die Tierpfleger © Wissensschreiber

Die Tierpfleger
© Wissensschreiber

In der Natur fressen sie ja Zweige und Gräser. Was verfüttern Sie denn hier?

Das gleiche: Zweige und Gräser. Im Winter dann Heu, weil wir dann einfach nicht mehr so viel Gras haben.

Wir haben gelesen, dass so ein Elefant 200 Kilogramm Futter am Tag frisst. Wie kriegen Sie denn so viel her?

Wir fahren beispielsweise in den Wald und holen Äste. Außerdem hat der Zoo seine eigenen Wiesen. Das heißt unsere Gärtner mähen alle zwei Tage Gras. Und das Heu kriegen wir von den Bauern aus der Umgebung.

Sind andere Zoos interessiert an diesem Projekt?

Ein weiterer deutscher Zoo hat es mittlerweile auch gemacht, Osnabrück. In Europa gibt es noch weitere. Die Zoos die Zuchtgruppen halten sind natürlich daran interessiert, weil sie viele junge Bullen haben, die sie irgendwo hinstecken müssen. Die rennen uns die Bude ein.

Danke für das Interview!

Dieser Artikel entstand beim Wissensschreiber-Workshop zum Thema „Tierische Intelligenz“ im Juli 2013 in Heidelberg. Das Interview führten Katharina W., Julia H. und Leonard W.

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