Ballspiel, Fisch und Flossenstand

"Ich will Fisch!" Die Mähnenrobben beherrschen eine ganze Menge Kunststücke! © Wissensschreiber

„Ich will Fisch!“
Die Mähnenrobben beherrschen eine ganze Menge Kunststücke!
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„Sneaky, erzähl uns mal was!“ Die Mähnenrobbe reißt ihr Maul auf und brüllt sich die Seele aus dem Leib. Trainer Dirk Eichmann belohnt sie mit ein paar Fischen. Nun ruft er auch Maike zu sich. Das lernbegeisterte Weibchen winkt dem Publikum mit ihrer linken Vorderflosse zu. Jetzt um 11 Uhr bekommt sie als Belohnung den ersten Teil ihrer Tagesration Fisch.

In freier Natur fressen Mähnenrobben auch Krill, Tintenfische und nicht selten Pinguine. „Wir haben schon probiert, sie mit Tintenfischen zu füttern, doch das mögen sie nicht besonders. Selbst Robbenbulle Atos spuckt sie mir entgegen. Und sogar beim Fisch machen sie Unterschiede – je nachdem, wo er gefangen wird. Sie sind echte Feinschmecker.“

"Ich bin der Boss!" Über 400 kg wiegt das imposante Mähnenrobben-Männchen © Wissensschreiber

„Ich bin der Boss!“
Über 400 kg wiegt das imposante Mähnenrobben-Männchen
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Der 2005 geborene Atos ist das einzige ausgewachsene Mähnenrobbenmännchen im Heidelberger Zoo. Der eigensinnige und dickköpfige Bulle wiegt stolze 420 Kilogramm. Jetzt, wo er auftaucht, sieht man seine voluminöse Mähne. Sie schützt Robbenmännchen vor Verletzungen beim Kampf. Hier im Zoo gibt es keine männlichen Rivalen – und so konzentriert Atos sich in der Paarungszeit eher auf die Damen in der Gruppe als auf das Training. Gerade soll er dem Publikum zeigen, was er drauf hat. Doch er will nicht. Stattdessen jagt er Maike hinterher. Das Weibchen spielt lieber mit dem Trainer Ball als mit Atos zu flirten. Sie versucht, mit ihrer Schnauze den Ball zu Dirk zurückzustupsen. Zunächst klappt das nicht ganz so gut. Aber nach ein paar geglückten Versuchen ist das Publikum begeistert.

Anscheinend war sie schon als Jungtier von einer großen Neugierde gegenüber Bällen getrieben. Sonst hätte das Trainerteam ihr nie das Ballspielen beigebracht. „Wir schauen, woran das Tier Spaß hat“, erzählt Trainer Dirk Eichmann. „Ich kann zwar jedem Seelöwen alles beibringen. Das geht jedoch nur, wenn ich ihn zwinge – das machen wir hier nicht.“

"Zeig her die Flossen!" © Wissensschreiber

„Zeig her die Flossen!“
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Nach dem Ballspielen macht die fleißige Maike jetzt noch einen Handstand. Auch hierfür belohnt Dirk sie kräftig. Sneaky wird jetzt neidisch und steigt ihr auf den Rücken, um ein paar Fische zu ergattern. Heute hat sie Glück und kommt ungestraft davon – es ist auch schon passiert, dass ihre Kameradinnen sie für so eine Aktion gebissen haben. Für das Publikum sieht das wie ein Gruppenkunststück aus. Doch trainiert war das nicht, wie Dirk Eichmann erklärt.

Gruppenkunststücke werden in Heidelberg nur zur Verbesserung des sozialen Verhaltens eingesetzt. So wie beispielsweise bei Lea, die die anderen gerne ärgert. Sie erwartet gerade ein Baby und ist deswegen gar nicht bei der Gruppe. Ihre Artgenossin Holly ist da schon weiter – sie ist bereits seit 10 Tagen glückliche Mama.

Fakten zur Mähnenrobbe
Die Mähnenrobbe ist auch bekannt als südlicher Seelöwe. Sie hat zirka 36 schwarze Zähne und lebt an der westlichen und südöstlichen Küste Südamerikas. In freier Natur taucht sie manchmal über 200 Meter tief Normalerweise werden sie 20 Jahre alt und werden bis zu zweieinhalb Metern (Männchen) beziehungsweise zwei Metern (Weibchen) groß. Die Weibchen sind erkennbar an ihren großen unregelmäßigen Flecken.

Die Mähnenrobben gehören zur Familie der Ohrenrobbe, die im Gegenteil zur Hundsrobbe kleine abstehende Ohren hat. Sie bewegt sich auf allen vier Flossen und im Wasser treibt sie sich mit den Vorderflossen an. Sie frisst unter anderem Krill, Schwarmfische, Tintenfische, Krebse, Pinguine und Enten.

Nachdem sie zirka ein Jahr lang im Bauch der Mutter waren, haben die Jungtiere bei der Geburt eine Größe von ungefähr 80 Zentimetern und sind elf bis 14 Kilogramm schwer. Da sie sich anfangs in ihrer Schwimmkunst überschätzen, verbringen sie die ersten drei Wochen an Land. Die Mähnenrobbenmutter säugt das Jungtier ein Jahr lang und kehrt zu ihrer nächsten Geburt zu demselben Geburtsort zurück (sie verhält sich damit „philopatrisch“).

Seelöwen sind lernbegeistert und brauchen Abwechslung, weshalb sie im Heidelberger Zoo freiwillig Kunststücke lernen können. Einer der Seelöwen dort hat ganze 15 Kunststücke erlernt.

Dieser Artikel entstand beim Wissensschreiber-Workshop zum Thema „Tierische Intelligenz“ im Juli 2013 in Heidelberg. Die Autoren dieser Reportage sind Mirjam B., Sophie L. und Conrad Z.

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