Fische unter Strom

Zitteraal fängt einen Fisch

Ein Happs und der Fisch landet im Maul des Räubers. Aber warum schwimmt er nicht einfach weg? Der Zitteraal lähmt seine Beute mit Stromschlägen! (© Ken Catania)

Zugegeben – so richtig gefährlich sieht der Zitteraal nicht aus. Er hat keine riesigen Fangzähne, und böse gucken kann er mit seinen blauen Knopfaugen auch nicht. Trotzdem ist er ein sehr erfolgreicher Jäger. Denn er kann etwas, das nicht viele Fische können: er erzeugt mit seinem Körper Strom. Spezielle Muskel-Zellen auf seiner Haut machen das möglich. Sie sorgen dafür, dass der Kopf des Zitteraals positiv elektrisch geladen ist, der Schwanz hingegen negativ. Zwischen diesen Enden fließt daher Strom. Jede einzelne Zelle erzeugt eine ganz schwache elektrische Spannung. Wenn sie aber alle zusammenwirken, ergibt das einen heftigen Schlag!

Verstecken geht nicht

Bekommt ein kleiner Fisch so eine Entladung ab, kann das zwei Folgen haben: Wenn es nur ein oder zwei Stromstöße sind, zuckt der Fisch unwillkürlich zusammen. Er kann dagegen nichts machen, der Strom zwingt seine Muskeln dazu, sich zu bewegen. So ein plötzliches Zucken kann dem Zitteraal verraten, wo seine Beute sich versteckt hat. Deshalb sendet er immer mal wieder Elektrizität aus, um zu schauen, ob sich etwas Fressbares in seiner Nähe bewegt.

Sobald er einen leckeren Fisch entdeckt hat, will er ihn nicht mehr entkommen lassen. Er produziert dann ganz viele Entladungen hintereinander und lähmt damit seine Beute. Jetzt kann der Jäger einfach zuschnappen und den Fisch fressen! Um das herauszufinden, hat der Forscher Kenneth Catania viele Experimente mit Zitteraalen gemacht. Er hat gemessen, wie viel Strom sie produzieren und wann sie ihn entladen.

Mutiger Forscher

Der Wissenschaftler hielt vier Zitteraale in seinem Labor und gab ihnen verschiedene Fische zu fressen, um zu beobachten, wie sie damit umgehen. Manchmal waren es lebendige Fische, manchmal aber auch tote. Die brachte Catania mit einem Gerät zum Zucken, so als wären sie noch am leben. Jetzt weiß er: Die Zitteraale greifen nur an, wenn sich etwas bewegt.

Doch wie wäre es eigentlich für einen Menschen, einen Zitteraal anzufassen? Das hat sich der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt vor zweihundert Jahren auch schon gefragt und ist nach Südamerika gereist. Dort leben die Zitteraale in großen Flüssen wie dem Amazonas. Der Wissenschaftler fing einen von ihnen und stellte sich mit beiden Füßen darauf. Einen ganzen Tag lang taten ihm danach die Beine und Knie weh! Gut, dass wir heute Instrumente haben, die Stromstärke messen können – ohne, dass wir uns selbst einen Schlag versetzen müssen.

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